Wolf im Schafspelz

«Will der Staat unsere Gesundheit oder unser Geld?»

Wir Eltern sind für unsere Kinder da, solange sie unmündig sind. Wir entscheiden von der Zahnspange bis zur Impfung. Meine Tochter hat sich sogar für mein Tattoo-Verbot bedankt, als sie volljährig wurde. Väterchen Staat hat seine Rolle hingegen von mündigen Bürgern erhalten. Es ist somit nicht erstaunlich, dass die gut gemeinten Ratschläge des Staates praktisch nie von seinen mündigen «Kindern» befolgt werden. Seine Top-down-Empfehlungen zu Ernährung und Gesundheit haben bislang wenig gefruchtet.

Der neueste Schildbürgerstreich, welcher die staatliche Bemutterung illustriert, ist die E-Zigarette. Es gibt genügend wissenschaftliche Daten, die belegen, dass das Dampfen 100 bis 1000 Mal weniger schädlich ist als das Rauchen. Tausende von Schweizer Rauchern haben ihr Laster zugunsten des Wasserdampfs mit etwas Aroma aufgegeben. Die allermeisten Ex-Raucher möchten hingegen noch Nikotin im Dampf haben, weil sie schliesslich bereits abhängig sind. Das ist verständlich und auch nicht schlimm, schliesslich verursacht Nikotin keinen Krebs und keine wirklichen Organschäden.

In allen umliegenden Ländern kann man die nikotinhaltigen Flüssigkeiten zum Dampfen kaufen, nicht so in der Schweiz. Man darf sie zum Eigengebrauch importieren, aber nicht mehr als 150 Milliliter in 60 Tagen und nicht mehr als zu einem Wert von 62 Franken, ansonsten droht Strafe. Der Schildbürgerstreich kommt übrigens von einem Staat, der selber den Tabakanbau subventioniert.

Der Staat will das Rauchen verbieten, weil es ungesund ist. Würde ihn die Gesundheit der Raucher wirklich interessieren, hätte er längst die E-Zigarette als weniger schädliche Alternative empfohlen. Tut er es vielleicht nicht, weil er sich mit mehr als der Hälfte des Zigarettenpreises bereichert und damit die AHV und IV unterstützen kann? Als ob noch nicht genug abgezockt wäre, schuf er den Tabakpräventionsfonds, welcher durch die Abgabe von 2,6 Rappen pro verkaufte Zigarettenpackung finanziert wird. Die staatliche Tabakprävention verfügt somit über rund 13,5 Millionen Franken. Vielleicht ist die Abnahme der Anzahl Raucher also gar nicht diesem immensen Propaganda-Aufwand zuzuschreiben, sondern mündigen Bürgern, die jetzt lieber dampfen, trotz Behinderung durch den Staat?

Da kein Beamter sich bislang die Mühe gemacht hat, herauszufinden, wie viele der Ex-Raucher dank dem Dampfen vom Laster losgekommen sind, ist dies zumindest ein Beleg dafür, dass Väterchen Staat mehr an unseren Steuern als an unserer Gesundheit interessiert ist. Würde ihn die Gesundheit der Raucher wirklich interessieren, hätte er längst die E-Zigarette empfohlen.

Beda M. Stadler

Beda M. Stadler, geboren 1950 in Visp (VS), ist emeritierter Professor und war Direktor des Instituts für Immunologie an der Universität Bern. Er ist bekannt für seine bissigen Aussagen zu medizinischen sowie gesundheits- und gesellschaftspolitischen Themen.

Beitrag aus der gesundheitspolitischen Publikation “im dialog” 1/2015

4 Kommentare zu “«Will der Staat unsere Gesundheit oder unser Geld?»

  1. Danke für diesen pointierten Beitrag!

    Als Ex-Raucher habe ich es nach ungezählten Versuchen, auf „konventionelle“ Art und Weise von der Zigarette wegzukommen, mit der E-Zigarette endlich geschafft. Meine COPD hat sich (messbar!) gebessert und das allgemeine Wohlbefinden hat deutlich zugenommen.

    Mir ist schleierhaft, weshalb seitens Medien, Politik und Gesundheitsorganisationen (WHO!) ein wahrer Kreuzzug gegen das E-Dampfen geführt wird. Geld mag eine Rolle spielen, aber auch eine Portion Dogmatismus könnte dahinter stecken. Schliesslich: Wo kämen wir hin, wenn die (Ex-)Raucher ihr Nikotinbedürfnis befriedigen können, ohne mit ihrer Gesundheit für ihre Sünden büssen zu müssen?

  2. Herzlichen Dank für diesen sehr zutreffenden Kommentar. Als ehemaliger stark abhängiger Raucher der dank „Dampfe“ in 48 Stunden Rauchfrei wurde kann ich jedes Wort doppelt unterstreichen!
    Wenn es denn ganzen involvierten Institutionen ernst wäre mit der Prävention und dem Gesundheitsschutz müsste es die „Dampfen“ auf Rezept geben!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert.*