Gibt es in der Schweiz zu viele Spitäler?

Gibt es in der Schweiz zu viele Spitäler?

In der Schweiz gibt es 283 Spitäler und Kliniken. Diese liegen in der Verantwortung der Kantone und könnten bei Überkapazitäten geschlossen werden – nur hat sich die Spitallandschaft in den letzten Jahren kaum verändert und die Gesundheitskosten steigen munter weiter. Brauchen wir in der Schweiz so viele Spitäler?

2016 gab es 283 Spitalbetriebe, davon sind 102 akutsomatische Krankenhäuser, 51 Psychiatrien, 56 Rehabilitationskliniken und 74 Spezialkliniken mit besonderer fachlicher Ausrichtung. Die Zahl der Spitäler sank zwar in den letzten Jahren – aber nur auf dem Papier. Denn aufgrund von Fusionen vereinen über ein Viertel der Spitäler mehrere Standorte unter einem juristischen Dach: In der Schweiz gibt es 569 Spital-Standorte und damit doppelt so viele Standorte wie Spitäler. Die effektive Zahl der Spitalstandorte hat sich kaum verändert.

Überversorgung an Betten?

Vergleicht man die Schweiz bezüglich Dichte an Spitalbetten mit anderen Ländern, stechen wir zwar nicht sonderlich hervor (4.6 Betten pro 1000 Einwohner entsprach 2015 knapp dem OECD Schnitt von 4.7). Betrachtet man jedoch die Gesundheitskosten, belegen wir einen Spitzenplatz. Führt man sich vor Augen, dass in den nächsten zehn Jahren circa 20 Milliarden Franken in Spitalneubauten investiert werden soll, stellt sich die berechtigte Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der hohen Anzahl Spitäler und ihren Standorten und den steigenden Gesundheitskosten gibt.

Politik sollte Spitäler schliessen

Im dialog – die gesundheitspolitische Publikation der CSS

Wer es genau wissen will und sich nicht mit dem Überfliegen von Schlagzeilen begnügt: Im dialog ist die gesundheitspolitische Publikation der CSS. Sie stellt Fragen, diskutiert und kratzt an gängigen Denkmustern. Mehr Inhalte dieser fundierten Publikation finden Sie unter: Im Dialog

Mit der Einführung der neuen Spitalfinanzierung 2012 verfolgte die Politik das Ziel, den Wettbewerb zwischen den Spitälern zu intensivieren, um damit die längst überfällige Konsolidierung des Spitalmarkts mit dem Abbau von bestehenden Überkapazitäten anzustossen. Das wiederum sollte die Kosten bremsen. Dieses Ziel wurde verfehlt: Statt Spitäler zu schliessen, wurden Standorte juristisch unter einem Dach zusammengefasst. Ein geschickter Schachzug der Spitäler – die publizierten Zahlen beruhigen die Politiker in Bundesbern, die Kosten steigen aber unaufhörlich weiter. Doch nicht nur die Kosten sind ein Problem der kleinräumigen Strukturen, auch die Qualität leidet. Das hat auch die Politik gemerkt und immerhin im hochspezialisierten Bereich den Kantonen den Auftrag erteilt, gesamtschweizerisch zu planen (Art. 39 Abs. 2bis KVG). Doch reichen diese Massnahmen aus, um dem unaufhörlichen Kostenwachstum entgegen zu wirken? Oder braucht es statt 26 kantonalen Gesundheitssystemen vermehrt Bestrebungen, die Versorgung regional oder gar gesamtschweizerisch zu planen? Das neue Dossier „Das föderalistische Gesundheitssystem“ auf unserer digitalen Dialogplattform versucht, Antworten zu finden: dialog.css.ch
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