Wie widersprüchlich sind wir?

Der «Gesundheitsmonitor» 2013 zeigt: Rund drei Viertel der Schweizer Bevölkerung bewerten das Gesundheitswesen im Land als positiv. Allerdings bringt die Erhebung auch Widersprüchliches an den Tag.

Der «Gesundheitsmonitor»* 2013 erteilt dem Schweizer Gesundheitswesen gute Noten: 76 Prozent der befragten Personen bewerten dieses als eher oder sogar sehr positiv. Damit wurde der bisherige Höchstwert um acht Prozentpunkte übertroffen. Erstaunlich oder wohl eher widersprüchlich ist vor diesem Hintergrund die Antwort auf eine weitere Frage: Eine knappe Mehrheit der Befragten kann sich derzeit mit dem Gedanken an eine Einheitskasse anfreunden. Sie wären also bereit, ein heute gut funktionierendes (und gut bewertetes) System auf den Kopf zu stellen.

Tiefe Verwaltungskosten
Ein Grund, der zu diesem Ergebnis geführt hat, ist die Prämienbelastung, die gemäss der Umfrage für viele Haushalte (zu) gross ist. So geben mehr als 40 Prozent der Befragten an, dass die Krankenkassenprämien für sie ein gelegentliches oder gar ein dauerhaftes Problem darstellen. «Falsche Hoffnung auf tiefere Prämien befeuert die Einheitskasse », kommentierte die FDP in einer Medienmitteilung diesen Umstand. Falsch deshalb, weil die Prämienentwicklung der Krankenkassen in der Schweiz nichts mit der Anzahl der Krankenversicherer zu tun hat – und auch nichts mit deren Verwaltungskosten. Diese betragen lediglich gut 5 Prozent der Prämieneinnahmen und liegen damit teils weit unter den Verwaltungskosten anderer (staatlicher) Sozialversicherungen. Vielmehr sind die Prämien ein Abbild der kontinuierlich steigenden Gesundheitskosten in unserem Land. Das zeigen die Statistiken des Bundesamtes für Gesundheit: Prämien und Gesundheitskosten in der Schweiz bewegen sich seit der Einführung des Krankenversicherungsobligatoriums im Jahr 1996 jeweils im Gleichschritt nach oben.

«Radikales Experiment»
Die FDP bezeichnet eine Einheitskasse denn auch als «radikales Experiment», das kaum bessere Leistungen nach sich ziehen würde. Käme hinzu, dass unzufriedene Versicherte den Anbieter nicht mehr wechseln könnten. Statt das Kind mit dem Bade auszuschütten müsse deshalb das bestehende System wo sinnvoll und nötig verbessert werden, etwa in Form eines verbesserten Risikoausgleichs. Eine Forderung, die auch die CSS unterschreibt. Sie wartet nun auf Taten seitens der Politik.

* Der gfs-«Gesundheitsmonitor» basiert seit 1997 auf einer jährlich breit angelegten Bevölkerungsbefragung. Der Gesundheitsmonitor wird vom Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag von Interpharma (Verband forschender pharmazeutischer Firmen der Schweiz) durchgeführt.

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