Was, wenn das Schicksal zuschlägt?

Sabrina Laubscher ist seit einem Unfall querschnittgelähmt. Doch die passionierte Reiterin kämpfte sich auf den Rücken ihrer Pferde zurück.

Es passierte dort, wo sich Sabrina Laubscher am liebsten aufhält: auf dem Reithof. Aus unerklärlichen Gründen löste sich ein 500 Kilogramm schwerer Strohballen und fiel ihr seitwärts auf den Kopf. Seit diesem Tag vor fünf Jahren kann sie ihre Beine nicht mehr bewegen. «Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort», sagt die heute 24-Jährige, weit davon entfernt, nach Schuldigen zu suchen. Und kaum eine Beschreibung wäre verfehlter als jene, dass sie ihr Schicksal einfach erduldet: Sabrina Laubscher verfolgt vielmehr mit eisernem Willen ihren bisher eingeschlagenen Weg. Obwohl von den Hüften abwärts querschnittgelähmt, kehrte sie auf den Rücken ihrer Pferde zurück. Die ausgebildete Pferdepflegerin arbeitet nach wie vor im Reitsportzentrum Kronwall in Grenchen, wo sie unter anderem Reitstunden erteilt. Und sie wurde zum Aushängeschild im Dressurreiten mit Handicap: 2010 durfte sie unter anderem mit den Spitzenreitern Steve Guerdat und Pius Schwizer die Schweizer Farben an der Weltmeisterschaft in den USA vertreten. Mit ihrem Pferd «Ames Bond» will sie sich nun für die nächste WM 2014 in Frankreich und für die Paralympics 2016 in Brasilien qualifizieren. «Auf keinen Fall will ich bemitleidet werden», sagt Sabrina Laubscher, die sich so viel Unabhängigkeit wie möglich bewahren will. Nur drei Monate, nachdem sie in das Paraplegikerzentrum Nottwil eingeliefert wurde und wo sie sich insgesamt sechs Monate aufhielt, kehrte sie an den Wochenenden in den Reitstall zurück. Natürlich kann sie ihre Pferde nicht mehr selber satteln. Natürlich kann sie den Stall nicht mehr selber ausmisten. Natürlich sind Treppen ein unüberwindbares Hindernis für sie. Doch mit diesen Einschränkungen hat sie sich arrangiert.

Die Familie ist eine grosse Stütze
Dass Sabrina Laubscher optimistisch nach vorne blickt, liegt auch an ihrem Umfeld, welches für sie eine grosse Stütze ist. An ihrem Arbeitsplatz im Reitsportzentrum fühlt sie sich als Teil einer grossen Familie, und ihre Eltern waren schon immer darum besorgt, dass die Kinder optimal versichert sind. «Vor dem Unfall war ich nicht ein einziges Mal im Spital. Deshalb sah ich die Notwendigkeit einer Versicherung nicht ein.» Anders ihr Vater, der für seine Kinder bei der CSS neben der Spitaltaggeld-Versicherung ein Produkt abschloss, das bei Tod oder Invalidität durch Unfall (UTI) zum Tragen kommt. Nicht auszudenken, wenn Sabrina Laubscher auf das Geld verzichten müsste, das ihr heute dank der Versicherungsprodukte zusteht. Die Folgekosten eines solchen Unfalls sind enorm. So musste unter anderem das Haus entsprechend umgebaut werden, und Sabrina Laubscher kann nicht mehr als 50 Prozent arbeiten. Da der Unfall sich nur ein paar Tage nach Abschluss der Lehre ereignete, würde das Taggeld des Unfallversicherers vom Arbeitgeber und eine mögliche spätere IV-Rente nicht ausreichen. Zudem sind die Haftpflichtansprüche noch immer nicht gelöst – obwohl der Unfall fünf Jahre her ist.

Finanziell abgesichert
Die finanzielle Absicherung ermöglicht Sabrina Laubscher, auch im Rollstuhl möglichst unabhängig und selbständig zu sein. Früher oder später wird sie sich eine eigene Wohnung leisten. Und sie träumt von einem eigenen Reitstall und von einer mehrwöchigen Reise. Das erfordert viel Planung, da längst nicht alle Orte rollstuhlgängig sind. «Manchmal nervt das gewaltig. Aber ich lasse mir deswegen die Freude am Leben nicht nehmen», so Sabrina Laubscher. Manche Menschen, so ihre Erfahrung, sind übervorsichtig, starren sie minutenlang an oder behandeln sie aufgrund ihrer körperlichen Einschränkung sogar so, als ob sie nicht richtig im Kopf wäre. Anders die Pferde, die genau gleich wie vor dem Unfall auf sie zugehen. «Das wünsche ich mir auch von allen Mitmenschen.»

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