Psychisch

Wird psychisch kranken Menschen genug geholfen?

Integration statt IV-Rente: Zu viele Menschen fallen wegen einer psychischen Erkrankung aus dem Arbeitsprozess.

Unfallprävention am Arbeitsplatz ist heute eine Selbstverständlichkeit; wer hingegen psychisch erkrankt, ist mit Vorurteilen konfrontiert – und lässt sich aus Angst vor einer Stigmatisierung gerade deshalb nicht oder zu spät helfen. Das hat Folgen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit. Die OECD schätzt den wirtschaftlichen Schaden für die Schweiz auf jährlich 19 Milliarden, insbesondere wegen der Produktivitätsverluste. Sie kritisierte die Schweiz, dass zu wenig dafür getan werde, Menschen mit psychischen Störungen im Arbeitsprozess zu halten.

Folgen der Arbeitslosigkeit

Das ist fatal, denn: „Arbeit verbessert die psychische Situation von Betroffenen“, sagt der OECD-Projektleiter Christopher Prinz. Arbeit kann zwar auch krank machen – aber keine Arbeit zu haben, verschlimmert die Situation früher oder später, weil ein Job auch Identität stiftet und Bestätigung verschafft.
Gerade Jugendliche, die aufgrund psychischer Probleme eine IV-Rente zugesprochen erhalten, geraten in einen Teufelskreis, weil sie den Einstieg ins Erwerbsleben nicht mehr schaffen. Seit 1995 hat sich die Zahl der jungen Menschen, die wegen einer psychiatrischen Erkrankung eine IV-Rente beziehen, verdreifacht. Die OECD empfiehlt deshalb, mehr dafür zu tun, Menschen mit psychischen Erkrankungen in den Arbeitsprozess zu integrieren.

Es kann jeden treffen

Menschen mit psychischen Problemen sollten nur schon deshalb nicht abgestempelt werden, weil es jeden treffen kann. Gemäss Swiss Mental Healthcare, der Vereinigung der Direktoren, Chefärzte und Pflegedirektoren der Psychiatrischen Kliniken, leidet jede Person mindestens einmal im Leben an einer psychischen Erkrankung.

» Forschungsbericht Nr. 12/13 OECD

 

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