Wie helfen Online-Schlaftrainings gegen Schlafstörungen?
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Wie helfen Online-Schlaftrainings gegen Schlafstörungen?

Online-Schlaftrainings liegen im Trend, ihre Anzahl steigt stetig. Der grosse Vorteil: Schlafstörungen lassen sich von Zuhause behandeln. Die CSS setzt seit November 2018 auf das Online-Schlaftraining von mementor GmbH – es verspricht eine effektive und wissenschaftlich fundierte Behandlung von Schlafstörungen.

Wie funktioniert ein Online-Schlaftraining? Wir haben den Mit-Entwickler Alexander Rötger gefragt, wie ihr Schlaftraining wirkt und für wen es geeignet ist.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Online-Schlaftraining zu entwickeln?

Ein- und Durchschlafen mit dem Online-Schlaftraining

Die CSS- übernimmt die Kosten für ein Online-Schlaftraining, Voraussetzung ist eine Heilungskosten-Zusatzversicherung.
Heute klagt rund ein Drittel der Bevölkerung über gelegentliche Schlafprobleme, jeder Zehnte leidet an chronischen Schlafstörungen. Das sind im deutschsprachigen Raum über 10 Millionen Menschen. Diese Zahlen haben uns in unserem Psychologiestudium sehr beeindruckt, vor allem, weil sich nur wenige von einem Schlafexperten beraten beziehungsweise therapieren lassen. Und das, obwohl es viele wirksame und wissenschaftlich fundierte Techniken zur Behandlung von Schlafstörungen gibt. Für uns war die einzige Lösung, ein digitales Angebot zu schaffen, um wirksame Techniken möglichst breitflächig an die Betroffenen zu bringen.

Wie funktioniert das Schlaftraining?

Mit einem virtuellen Schlafcoach durchlaufen die Teilnehmer sechs Sitzungen. Der Coach vermittelt Wissen zum Thema Schlaf und gibt den Teilnehmenden personalisierte Anleitungen zu Schlaf- und Entspannungsübungen, um ihr Schlafverhalten zu verbessern. Zudem wird während des Trainings mittels Schlaftagebuch das Schlafverhalten laufend analysiert.

 

Alexander Rötger

Alexander Rötger

Alexander Rötger ist klinischer Psychologe und hat 2014 zusammen mit Neuropsychologe Noah Lorenz und den Software Entwicklern Jan Kühni und Daniel Rotzetter das Startup Unternehmen mementor GmbH gegründet.

Wie kann das Schlaftraining ohne eine Analyse des Schlafverhaltens im Schlaflabor funktionieren?

Bei organisch bedingten Schlafstörungen, also zum Beispiel Schlafapnoe oder Restless-Legs-Syndrom st der Gang in ein Schlaflabor zur Diagnose und Einstellung der Therapie mit einer Schlafmaske unabdingbar.

Geht es um die psychisch bedingte Schlafstörung – also die mit Abstand häufigste Form der Schlafstörungen – ist eine Untersuchung im Schlaflabor nicht unbedingt nötig. Hier spielt viel mehr eine Rolle, wie der Betroffene seinen Schlaf selbst einschätzt. Die subjektiven Informationen und Angaben aus dem Schlaftagebuch ermöglichen eine massgeschneiderte Beratung für den Betroffenen. Sie befähigt ihn dazu, sein Verhalten so zu verändern, dass sich sein Schlaf langfristig verbessert.

Wie wird mein Schlafverhalten analysiert? Wird nach der Ursache gesucht?

Das Schlaftagebuch besteht aus einem Morgen- und einem Abendprotokoll. Teilnehmer erfassen darin ihre Schlafzeit, Bettliegezeit, Aufwachhäufigkeit sowie Stimmungs- und Verhaltensdaten. Diese Daten dienen als Basis für einige Elemente des Trainings, wie zum Beispiel die Methode der Bettzeitverkürzung. Dabei wird anhand der Zeit, die die Nutzer wirklich geschlafen haben, ein neues Zeitfenster berechnet und Schritt für Schritt angepasst, bis die optimale Schlafzeit gefunden wurde.

Die Ursachen für psychische Schlafprobleme können sehr individuell sein, wie beispielsweise Stress im Beruf, Geldsorgen oder Probleme in der Partnerschaft. Diese Faktoren, die Auslöser von Schlafproblemen sein können, spielen jedoch meist nach einiger Zeit gar keine Rolle mehr. Die Schlafprobleme bei den Betroffenen haben sich aber chronifiziert, sie bestehen also auch ohne die ursprünglichen Auslöser. Über einen Teufelskreis von negativen Gedanken und kontraproduktivem Verhalten manifestiert sich bei den Betroffenen ein ungünstiges Muster, das die Schlafprobleme aufrechterhält. Das Ziel des Online-Schlaftrainings ist also nicht den ursprünglichen Auslöser der Schlafstörung im Detail zu ergründen, sondern den Teufelskreis zu brechen, in dem sich die Betroffenen befinden.

Was ist der Unterschied zu anderen Online-Trainings und Schlaf-Apps?

Leider basieren die meisten Apps und Trainings nicht auf wissenschaftlichen Kriterien. Von diesen Produkten wollten wir uns abgrenzen und haben daher viel Zeit in die medizinisch fundierte Entwicklung und wissenschaftliche Untersuchung gesteckt. Wir haben uns bei der Entwicklung an die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) gehalten und vor dem Markteintritt gemeinsam mit der Universität Zürich eine klinische Studie durchgeführt, in der wir die Wirksamkeit des Online-Schlaftrainings nachweisen konnten.

Ist ein Schlaftracker zwingend notwendig?

Nein, die Nutzung eines Schlaftrackers ist optional. Er hilft jedoch durch die automatisierte Erfassung der zentralen Schlafdaten bei den Schlaftagebuch-Eintragungen.

Für wen ist ein Online-Schlaftraining geeignet, bzw. für wen nicht?

Das Schlaftraining ist für alle volljährigen Personen mit Internetzugang geeignet, die unter Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen oder zu frühem Erwachen am Morgen leiden und sich davon tagsüber beeinträchtigt fühlen. Ausschlusskriterien gibt es vor dem Start des Programms nicht. Wir empfehlen aber zusätzlich die Schlafprobleme bei einem Arzt abklären zu lassen, insbesondere dann, wenn es Hinweise auf eine organische Ursache gibt.

Wie wirksam ist ein solches Training?

Die Wirksamkeit des Online-Schlaftrainings wurde in einer klinischen Studie untersucht. In vielen Bereichen konnten deutliche Verbesserungen erzielt werden. In einer Folgeerhebung konnte gezeigt werden, dass die Effekte nach Abschluss des Trainings langfristig aufrechterhalten bleiben. Die Teilnehmer des Programms fühlten sich unter anderem leistungsfähiger am Tag. Des Weiteren haben die Teilnehmenden des Programms im Durchschnitt folgende Verbesserungen erreicht:

  • 20 Minuten schneller einschlafen.
  • 50 Minuten kürzere Wachzeiten in der Nacht.

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