Was ist echte Schönheit?
(Gettyimages)

Was ist echte Schönheit?

Jugendlich, schlank, faltenfrei – diesem Ideal wollen viele entsprechen und helfen mit Operationen nach. Ausstrahlung und echte Schönheit definiert sich aber anders.

Es gibt praktisch keinen Körperteil mehr, der sich nicht optimieren liesse. Mit Methoden, die zum Teil unglaublich anmuten: In die Haut eingeführte, resorbierbare Fäden etwa bringen im Gesicht alles wieder in Form, was zu hängen beginnt – Augenbrauen, Wangenbäckchen, Mundwinkel. Gezeigt werden auf den Internet-Seiten der Schönheits-Kliniken dazu gerne Vorher-Nachher-Bilder. Oder aber Werbe-Fotos sehr junger Models, in deren Gesicht und auch sonst noch gar nichts hängen kann.

Fast alles ist machbar

Der Traum, jugendliches Aussehen zu konservieren, ist so alt wie die Menschheit. Im Gegensatz zu früher ist heute fast alles machbar, und dies nutzen immer mehr Menschen. Die Hemmschwelle ist gesunken, sich fürs Aussehen unters Messer zu legen. Weil das Thema in den Medien omnipräsent und man über die Möglichkeiten der plastischen Chirurgie informiert ist. Und weil Anbieter mit Versprechen werben, die verführerisch wirken: Bin ich mit meinem Aussehen nicht mehr zufrieden, kann ich es nach meinen Vorstellungen verändern.

Im Grund ist es die Entscheidung jedes Einzelnen. Und doch hat der Trend problematische Seiten. Beispielsweise dann, wenn man sich unter Druck setzen lässt. Unsere Gesellschaft altert, gleichzeitig ist das Alter nicht akzeptiert. Erst recht nicht, wenn es Spuren hinterlässt, die schnell als Makel eingestuft werden. Also helfen viele nach – und tun alles, um jünger auszusehen.

Die Ideale hinterfragen

Schwierig wird es auch dann, wenn Menschen etwas nacheifern, das mit der Realität nichts zu tun hat. Tagtäglich wirken Bilder junger und perfekt aussehender Menschen auf uns ein, was nicht nur Gleichaltrige beeinflusst. Dabei geht schnell vergessen, dass es sich häufig um nachbearbeitete, also manipulierte, Abbildungen handelt. Überhaupt lohnt es sich, das gängige Ideal zu hinterfragen. Faltenfrei, gertenschlank beziehungsweise muskulös: Was propagiert wird, scheint erstrebenswert. Und tatsächlich gibt es im richtigen Leben Menschen, die diesem Bild entsprechen. Aber nicht jeder, der es tut, werde automatisch als attraktiv wahrgenommen, sagt Philosophin Lisa Schmalzried, die zum Thema Schönheit forscht. Während Menschen jenseits dieser Norm ungemein attraktiv wirken können.

«Jugendlichkeit ist ein Attraktivitätsmerkmal», sagt Lisa Schmalzried weiter. Was aber nicht den Schluss zulasse, Jugendlichkeit und Schönheit seien gleichbedeutend. Junges Aussehen sei weder notwendig noch hinreichend, um jemanden schön zu finden. Es spielt mehr hinein, beispielsweise die Gestik und die Mimik. Letzten Endes kommt es auf den gesamten Ausdruck, die ganze Persönlichkeit an. Nachsichtig mit sich umgehen, echt sein, nicht ständig Erwartungen von aussen erfüllen und einem bestimmtes Bild entsprechen wollen – Sozialforscher wie Andreas Giger sehen unter anderem darin das Geheimnis altersunabhängiger, individueller Attraktivität. Und gerade reifere Semester wären eigentlich frei, auf Normen zu pfeifen und sich Zwängen zu entziehen. In jungen Jahren ist der Druck grösser, sich seiner Gruppe anzupassen.

Immerhin gibt es reife Menschen, die dies verkörpern – die Schauspielerin Heidi Maria Glössner zum Beispiel, eine zweifelsohne attraktive Frau von 74 Jahren. In einem Interview mit der Frauenzeitschrift „annabelle“ brachte sie schön auf den Punkt, dass es – trotz mannigfacher Möglichkeiten der Schönheits-Chirurgie – auf Dauer nichts bringt, den Wettlauf gegen des Altern aufnehmen zu wollen. Denn was bringe ein glattes Gesicht, wenn der Hals faltig sei?

Diesen Beitrag bewerten.

Ein Kommentar zu “Was ist echte Schönheit?

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert.*