Vitamin-D-Mangel

Vitamin-D-Mangel: So beugt man am besten vor

Vitamin D ist lebensnotwendig. So viel steht fest. Ab wann ein Vitamin-D-Mangel vorliegt und wem künstliche Präparate etwas bringen, darüber streiten Mediziner. Wichtige Fakten dazu.

Was Vitamin D ist und wozu es der Körper braucht

Vitamin D ist eigentlich ein Hormon, das der Körper mithilfe des Sonnenlichts in der Haut bildet. Es ist deshalb auch vom «Sonnenvitamin» die Rede. Im Körper erfüllt Vitamin D folgende Funktionen:

  • Es reguliert den Calcium- und Phosphatstoffwechsel.
  • Es fördert die Aufnahme von Calcium und Phosphat im Darm und sorgt damit für starke Knochen und Zähne.
  • Nach neueren Erkenntnissen soll Vitamin D nicht nur für die Knochen, sondern auch für den gesamten Bewegungsapparat wichtig sein, insbesondere für die Muskeln.
  • Vitamin D werden eine Reihe weiterer positiver Eigenschaften zugeschrieben: es soll vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen oder Infektionen schützen. Neuere Forschungsergebnisse können diese Effekt aber nicht bestätigen.
  • Vitamin-D-Präparate helfen, Osteoporose, Frakturen und Stürzen vorzubeugen, so hiess es bislang. Eine neuere, grosse Studienanalyse zeigt ein anderes Ergebnis: Vorsorgliche Therapien bringen bei gesunden Erwachsenen ohne Risikofaktoren nichts. Ein Nutzen zeigt sich nur bei jenen Patienten, die bereits Osteoporose haben oder bei Frakturen.

Vitamin-D-Mangel Folgen

  • Ein starker Vitamin-D-Mangel kann bei Säuglingen und Kleinkindern zu Rachitis führen.
  • Auch bei Erwachsenen kann es zu Knochenerweichung (Osteomalazie) kommen. Zudem zu Knochenbrüchigkeit (Osteoporose).

Vitamin-D-Mangel Symptome

  • Müdigkeit
  • Diffuse Knochen- und Muskelschmerzen
  • Muskelschwäche
  • Lustlosigkeit
  • Depressive Verstimmung

Ob ein leichterer Vitamin-D-Mangel tatsächlich Beschwerden hervorruft, ist nicht eindeutig geklärt. Die genannten Symptome gelten als unsicher.

Tagesbedarf an Vitamin D

Der tägliche Bedarf unterscheidet sich je nach Bevölkerungsgruppe (Angaben in Mikrogramm, µg):

Säuglinge im 1. Lebensjahr10 µg
Ab dem 2. bis zum 60. Lebensjahr15 µg
Schwangere und Stillende15 µg
Ab 60 Jahren20 µg

Quelle: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, BLV

 

Vitamin-D-Mangel vorbeugen: Regelmässig nach draussen gehen

80 bis 90 Prozent des für die Gesundheit notwendigen Vitamin D wird in der Haut gebildet. Wer sich regelmässig an der Sonne aufhält, kann zumindest von April bis September für eine ausreichende Vitamin-D-Bildung sorgen. Wichtig dabei ist:

  • Gesicht und Hände mehrmals pro Woche unbedeckt 5 bis 25 Minuten dem Sonnenlicht auszusetzen. Die Dauer hängt vom Hauttyp, dem Monat, der Tageszeit ab.
  • Empfohlen werden mehrere kurze Sonnenbäder.
  • In der Regel reichen alltägliche Aktivitäten wie der Arbeits- oder Schulweg oder andere Aufenthalte im Freien.
  • Sonnenbrand vermeiden, jedoch keine Sonnencremes verwenden. Diese reduzieren die Vitamin-D-Synthese.

Eine Ursache des Vitamin-D-Mangels: Zu wenig Sonne

Wichtiger Hinweis

Auch im Winter nicht ins Solarium gehen! Es besteht das Risiko vorzeitige Hautalterung und von Hautkrebs. Zudem wird in Solarien meistens UVA-Licht verwendet. Um Vitamin D zu bilden, ist jedoch UVB-Strahlung notwendig.
Im Winter reicht das Sonnenlicht in unseren Breitengraden nicht aus, um Vitamin D zu bilden. Allerdings kann es der Körper speichern, was ein Stück weit zur Versorgung beiträgt. Voraussetzung ist, dass man im Sommer genügend an der Sonne war. Wie lange diese Speicher gefüllt bleiben und ob sie bis im Frühjahr ausreichen, dazu gibt es unterschiedliche Angaben.

Zusätzlich ist es deshalb wichtig, in der dunklen Jahreszeit:

  • Auf Vitamin-D-reiche Ernährung zu achten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, ein- bis zweimal pro Woche fetten Seefisch zu verzehren (siehe nächster Abschnitt).
  • In der kalten Jahreszeit ebenfalls regelmässig an die frische Luft zu gehen, am besten mit unbedecktem Gesicht und unbedeckten Händen.
  • Im Zweifelsfall, bei Symptomen und bevor man zu Vitamin-Präparaten greift, sich vom Arzt beraten zu lassen.

Welche Lebensmittel Vitamin D enthalten

Bestimmte Lebensmittel können einen kleinen Teil des notwendigen Vitamin D liefern. Nachfolgend eine Auswahl (Vitamin-D-Gehalt in Mikrogramm pro 100 Gramm; die Werte können je nach Herkunft des Produktes stark schwanken):

Heringbis zu 25 µg
Wildlachsbis 25 µg
Zuchtlachsbis zu 6.25
Eigelb bis zu 6,25 µg
Ganzes Hühnereibis zu 5 µg
Pfifferlingebis zu 5 µg
Champignons bis zu 1,25 µg

Ab welchen Werten ein Vitamin-D-Mangel vorliegt

Wichtiger Hinweis

Über den optimalen Vitamin-D-Serumspiegel ist sich die Fachwelt uneins. Es gibt keine einheitlichen Vorgaben, ab wann ein Mangel vorliegt. Mit Vorsicht sind deshalb Angaben zu geniessen, wonach bis zu 80 Prozent der Bevölkerung mit Vitamin D unterversorgt seien.
Ob jemand unter einem Mangel leidet, lässt sich mit einer Blutuntersuchung feststellen. Bestimmt wird der Gehalt an 25-Hydroxyvitamin-D (Calcidiol). Liegt die Konzentration unter 50 Nanomol pro Liter Blutserum (nmol/l) spricht man laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) von Vitamin D-Mangel. Unterschieden wird dabei die Unterversorgung (Konzentrationen zwischen 25-49 nmol/l) und der schwere Vitamin D-Mangel (unter 25 nmol/l). Liegt der Wert unter 25 nmol/l, wird im Allgemeinen eine Therapie mit Vitamin-D-Präparaten empfohlen.

Warum nicht jeder zum Vitamin-D-Test muss

Blutuntersuchungen bieten sich nur bei höherem Risiko für einen Vitamin-D-Mangel ab (siehe nächster Abschnitt) und werden nicht generell als Vorsorge-Tests empfohlen. Sinnvoll sind sie darüber hinaus bei älteren Patienten, die sich einen Sturz zugezogen haben. Dass die Tests inzwischen grossflächig und standardmässig gemacht werden, ist umstritten.

Wer gefährdet ist, einen Vitamin-D-Mangel zu bekommen

  • Menschen mit dunkler Hautfarbe; bei ihnen ist mehr UV-Licht notwendig.
  • Alte Menschen; mit zunehmendem Alter produziert der Körper weniger Vitamin D.
  • Übergewichtige Personen, vermutlich wegen der stärkeren Aufnahme von Vitamin D ins Fettgewebe.
  • Schwangere
  • Neugeborene. Sie bekommen im ersten Lebensjahr zur Rachitis-Prävention grundsätzlich Vitamin-D-Supplemente.
  • Menschen, die aus kulturellen/religiösen Gründen Ganzkörperbekleidung tragen.
  • Personen, die wegen Krankheit oder Pflegebedürftigkeit ans Haus gebunden sind und Sonne meiden.
  • Patienten mit chronischem Nierenversagen oder chronischer Lebererkrankung.

Vitamin-D-Präperate: Was bei einer Therapie wichtig ist

Wichtiger Hinweis

Die körpereigene Vitamin-D-Produktion reguliert sich selbst; eine Überdosierung ist so ausgeschlossen. Experten warnen aber davor, Vitamin D auf eigene Faust aus diversen Quellen – angereicherte Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Arzneimittel – gleichzeitig einzunehmen.
Vitamin-D-Präparate sollte man nur bei festgestelltem Mangel und nach Absprache mit dem Arzt, der Ärztin einnehmen. Denn eine Überversorgung kann gefährlich werden. Bedenklich ist eine längere Einnahme von mehr als 100 Mikrogramm Vitamin D pro Tag.

Zu hohen Dosen können sich mit folgenden Symptomen bemerkbar machen:

  • Herzrhythmusstörungen
  • Schwäche
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Eine langfristige Überdosierung kann zudem zu Nierensteinen und Nierenversagen führen.





Quellen:
https://www.thelancet.com/journals/landia/article/PIIS2213-8587(18)30265-1/fulltext
Gruppenpraxis Medix
Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV)

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