Mensch oder Maschine: Taugen Chatbots als Ratgeber für die Gesundheit?

Mensch oder Maschine: Taugen Chatbots als Ratgeber für die Gesundheit?

Im Zeitalter der Digitalisierung halten Chatbots Einzug in immer mehr Bereiche des täglichen Lebens. Auch wenn es um unsere Gesundheit geht, beantworten sie mittlerweile Fragen und geben Hilfestellungen.

Ganz automatisiert und ohne direkten menschlichen Eingriff kommen die digitalen Helfer immer menschlicher daher und bekommen eigene Identitäten. Marcia Nissen ist Doktorandin an der ETH Zürich und für das CSS Health Lab an verschiedenen Chatbot-Studien beteiligt. Sie erklärt, zu was Chatbots in der Lage sind.

Welche Arten von Chatbots gibt es? Es gibt mehrere

Unterscheidungsmöglichkeiten. Eine betrifft die «Stärke» der künstlichen Intelligenz (KI): Eine starke KI versteht nicht nur, sondern kann selbst lernen und das Verhalten anderer imitieren (z.B. replica.ai). Vielleicht wird sie sich irgendwann sogar ihrer selbst bewusst. Dafür gibt es meines Wissens aber noch kein real existierendes Beispiel. Samantha aus dem Film «Her» oder Hal 9000 aus «2001: Odyssee im Weltraum» sind fiktive Beispiele. Daneben gibt es schwache KI, die nur nach dem reagiert, was ihr einprogrammiert wurde. Für welche Aufgaben sind Chatbots geeignet? Chatbots eignen sich für überschaubare Aufgaben: zum Beispiel, um durch standardisierte Formulare zu führen, bei der Suche nach passenden Geschenken zu unterstützen (siehe geschenkidee.ch) oder um Termine mit Kollegen zu koordinieren. Soll sich die Interaktion mit dem Chatbot über einen längeren Zeitraum erstrecken, werden Aspekte wichtig, die wir aus der Psychologie kennen: Menschen bauen eine Beziehung auf, lernen voneinander, machen Erfahrungen und verfestigen Meinungen, die darüber entscheiden, ob sie die Beziehung fortführen wollen – oder eben nicht. Diese längerfristige Interaktion ist mit Chatbots komplizierter abzubilden, weil sie nicht standardisierbar sind. Besonders im medizinischen Kontext ist genau das aber sehr spannend. Chatbots können beispielsweise chronisch kranke Patienten im Alltag zwischen zwei Arztbesuchen unterstützen. Das funktioniert aber nur, wenn die Patienten grundsätzlich gerne mit dem Chatbot kommunizieren, wenn sie Vertrauen in seine Fähigkeiten und Absichten haben und wenn er ihnen tatsächlich nützlich ist.

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Sie haben im CSS Health Lab mehrere Studien mit Chatbots durchgeführt. Was ist die wichtigste Erkenntnis daraus?

Es scheint weniger Menschen zu geben, die die Vermenschlichung von Chatbots ablehnen und als sehr befremdlich empfinden, als Menschen, die etwas mit den menschlichen Zügen im Chatbot anfangen können oder sogar sehr positiv auf sie reagieren.

Wenn die Chatbots menschliche Züge erhalten, sind sie dann auch lernfähig?

Es gibt bereits Chatbots, die selbstständig lernfähig sind oder nur wenig «Kuration» durch den Entwickler bedürfen. Das kann allerdings auch komplett nach hinten losgehen wie im oft genannten Negativbeispiel Tay, dem von Microsoft entwickelten Twitterbot, der innerhalb von 24 Stunden nur noch rassistische Äusserungen von sich gab. Die Chatbots, die wir im Health Lab entwickeln, sind deshalb bewusst nicht selbstlernend. Für mich steckt in «lernfähig» aber auch die Frage, wie viel die Forschung Chatbots noch beibringen kann. Und da sehe ich noch kein Ende.

Ist der Chatbot als Maschine auch zu Emotionen und Leidenschaft fähig?

Die Frage ist etwas ambivalent: Einerseits verneine ich klar, dass Chatbots zu Emotionen oder Leidenschaft fähig sind – weder sie zu empfinden noch ernsthaft zum Ausdruck zu bringen. Allerdings kann man ihnen das schon – zumindest bis zu einem gewissen Grad – «beibringen». Dafür schauen wir uns an, wie Menschen in bestimmten zwischenmenschlichen Situationen reagieren und welche Worte und Ausdrücke sie benutzen: Wann reagieren sie mitfühlend auf eine traurige Nachricht? Wann begeistern sie sich leidenschaftlich für eine Sache? Diese Worte und Ausdrücke können wir den Chatbots beibringen und stellen fest, dass Menschen auch auf diese nur einprogrammierten emotionalen Verhaltensweisen ähnlich reagieren wie auf das emotionale Verhalten anderer Menschen.

Mehr zum Thema

Wird künstliche Intelligenz die menschliche Entscheidungsfindung irgendwann ersetzen? Einer der weltweit einflussreichsten Kognitionspsychologen, der Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman (Princeton University), hat hierzu eine klare Meinung:

2 Kommentare zu “Mensch oder Maschine: Taugen Chatbots als Ratgeber für die Gesundheit?

    1. Liebe Bianca,
      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ja, unser digitaler Ratgeber myGuide funktioniert mit einem Chatbot. Von Fachärzten und Medizininformatikern entwickelt, prüft myGuide die Krankheitssymptome und empfiehlt Ihnen, ob Sie zum Arzt, in die Apotheke oder ins Spital gehen sollen oder nicht.
      Der Zugang ist ganz einfach: Sie können sich mit Ihrer CSS-Kundennummer und Ihrem Geburtsdatum hier einloggen. Oder Sie starten myGuide direkt im Kundenportal myCSS.
      Herzliche Grüsse, Ihre CSS

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