Zecken
(Thomas Zimmermann)

Sind Zecken wirklich so gefährlich?

Sie lauern im Unterholz, im Gebüsch und im knietiefen Gras auf ihre Opfer, an deren Blut sie sich gütlich tun – die Zecken. Jetzt, wo die Tage wieder länger und wärmer sind, haben sie Hochsaison. Die Spinnentiere sind nicht nur lästig, sondern als Träger zweier gefürchteter Krankheitserreger, Borreliose und FSME, auch potenziell gefährlich.

Etwa 5 bis 30 Prozent der Zecken tragen den Erreger der Lyme-Borreliose in sich. Das Bakterium kann die Haut, die Gelenke, die Muskeln, das Herz und das Nervensystem angreifen. Anzeichen für eine Borreliose-Infektion ist ein ringförmiger Ausschlag, der sich nach wenigen Tagen oder Wochen an der Stelle des Zeckenstichs bildet und sich stetig vergrössert – darum ist von Wanderröte die Rede. Auch Fieber und eine allgemeine Müdigkeit gelten als Hinweise, wobei diese Symptome natürlich ganz andere Ursachen haben können. Bei einer Wanderröte empfiehlt es sich, sofort einen Arzt aufzusuchen. Die Krankheit kann mit Antibiotika behandelt werden, sofern sie rechtzeitig erkannt wird. Impfungen dagegen existieren keine.

Immunsystem meistens erfolgreich

Die Gefahr sollte aber auch nicht dramatisiert werden: Selbst wenn jemand von einer mit Borrelien infizierten Zecke gestochen wird, heisst das noch lange nicht, dass er oder sie auch daran erkrankt. Meistens kann das Immunsystem die Bakterien bekämpfen, sodass sich keinerlei Symptome bemerkbar machen. In der Mehrheit der Fälle sind zudem keine Spätfolgen zu befürchten. Um sich aber dem Risiko nicht unnötig auszusetzen, sollte man sich entsprechend schützen (siehe Kasten). Wird eine Lyme-Borreliose nicht erkannt oder ungenügend behandelt, können bleibende Behinderungen die Folge sein. Laut dem Nationalen Referenzzentrum für zeckenübertragende Krankheiten (NRZK) erleiden in der Schweiz jedes Jahr zwischen 6000 und 12 000 Personen eine Borreliose-Infektion.

Der beste Schutz gegen Zecken

  • Den Körper nach jedem Aufenthalt in der Natur auf Zecken untersuchen und bei einem Befall die Zecke sofort entfernen. Besonders oft betroffen sind Kniekehlen, Leisten, Achselhöhlen, Nacken und Hals – Zecken bevorzugen warme, feuchte und dünne Hautpartien. Weil die Zecke beim Stechen eine betäubende Substanz absondert, wird häufig nicht bemerkt, wenn sie zu ihrer Blutmahlzeit ansetzt.
  • Die Zecke sollte vor dem Herausziehen nicht mit Öl oder Ähnlichem behandelt werden, sonst entleert die Zecke ihren Darm mit Viren oder Bakterien. Das Tier beim Herausziehen nicht drehen oder zerquetschen, sondern mit einer Pinzette geradeaus und mit konstantem Zug entfernen. Die Einstichstelle danach desinfizieren.
  • Bei Streifzügen durch den Wald nach Möglichkeit gut abschliessende, eng anliegende Kleider und geschlossene Schuhe tragen und Unterholz meiden. Auch wenn es optisch nicht gerade die beste Falle macht, empfiehlt es sich, die Socken über die Hosen zu ziehen – Zecken halten sich vor allem in Bodennähe auf. Sie fallen nicht von den Bäumen, wie lange kolportiert wurde.

FSME: Impfung bietet besten Schutz

Weit weniger häufig, aber heimtückischer ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die ausschliesslich das Nervensystem befällt. Ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich können sich grippeähnliche Symptome bemerkbar machen. Bei den meisten Betroffenen bleibt es dabei.

Bei rund 5 bis 15 Prozent kommt es aber zu einem Befall des zentralen Nervensystems. Die Symptome dieser Hirnhaut- oder Hirnentzündung sind starke Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations-, Sprechund Gehstörungen. Bei schweren Verläufen drohen bleibende Behinderungen wie Lähmungen der Arme, Beine und Gesichtsnerven. 1 Prozent der Betroffenen, die neurologische Symptome zeigen, sterben daran. In der Schweiz werden jedes Jahr zwischen 100 und 250 Fälle von Zeckenenzephalitis gemeldet.

Das Heimtückische am FSME-Virus: Jene, die Symptome entwickeln, sind diesen schutzlos ausgeliefert. Es existiert keine spezifische Therapie gegen die Erkrankung, es können lediglich die Symptome gelindert werden. Im Gegensatz zur Lyme-Borreliose existiert aber eine Impfmöglichkeit. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt die Impfung allen Personen, die in den Hochrisikogebieten wohnen oder sich oft in der Natur aufhalten. Bei Kindern verläuft die Krankheit in den meisten Fällen ohne bleibende Schädigungen. In Absprache mit dem Arzt können Kinder aber bereits ab einem Jahr geimpft werden (z.B. jene, die eine Waldspielgruppe oder einen Waldkindergarten besuchen).

Zecken mit dem FSME-Erreger sind vor allem in bestimmten Gebieten zu finden – die Karte, welche die Verbreitung der FSME-Zecken anzeigt, wird jedes Jahr vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) aktualisiert. Darauf ist ersichtlich, dass fast alle Kantone des Mittellandes betroffen sind. In diesen Hochrisikogebieten tragen etwa 1 bis 3 Prozent der Zecken das Virus in sich.

Das heisst allerdings nicht, dass die FSME-Zecken ausschliesslich in den identifizierten Hochrisikogebieten vorkommen – die Karte besagt lediglich, dass sie im Verhältnis zur übrigen Schweiz dort gehäuft auftreten. Zecken, die etwa so gross sind wie ein Stecknadelkopf, können sich auch über Vögel und Wildtiere wie Rehe und Hasen in andere Gebiete verteilen. So verwundert es nicht, dass das BAG immer wieder neue Gebiete mit erhöhtem Risiko für eine FSME-Ansteckung identifiziert.

Warum diese Zunahme?

Zwischen 2012 und 2013 hat sich die Zahl der FSMEBetroffenen in der Schweiz mehr als verdoppelt, von 95 auf 205. Diese Zahl ist zum einen wetterabhängig: Je schöner das Wetter, desto mehr Menschen halten sich sommerlich bekleidet im Freien auf. Zum anderen spielen die Temperaturen im Winter eine grosse Rolle. Der Zeckenspezialist Norbert Satz, Facharzt für Innere Medizin FMH, weist immer wieder darauf hin, dass bei einem kalten Winter mehr Zecken überleben, da sie in eine Winterstarre fallen und in diesem Zustand Energie sparen. Der Winter 2012 war bekanntlich ausgesprochen kalt. In milden Wintern hingegen sind die Zecken aktiv, haben aber kaum Möglichkeiten für eine Blutmahlzeit, so dass sie verhungern.

» www.zecken.ch
» www.zeckenschule.de

 

Zeckenstich – Wann braucht es den Arzt?

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2 Kommentare zu “Sind Zecken wirklich so gefährlich?

    1. Guten Tag Herr Weber
      Vielen Dank für Ihre interessante Frage.
      Eine vollständige Grundimmunisierung erfordert drei Impfungen. Die ersten zwei werden im Abstand von einem Monat verabreicht (Zeitlich begrenzter Schutz nach der 2. Impfung). Die letzte Injektion erfolgt 5 bis 12 Monate später. Nach Abschluss der letzten Impfung sind Sie für mindestens 10 Jahre ≥95% gegen Zeckenenzephalitis (FSME) geschützt. Weitere Informationen finden Sie unter: FSME Zeckenzephalitis

      Herzliche Grüsse
      Ihre CSS Versicherung
      Matthias Schmid

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