Schlafwandeln

Ist Schlafwandeln gefährlich?

Sie schlafen und zeigen trotzdem Verhaltensweisen, die an einen Wachzustand erinnern: die Schlafwandler. Das Phänomen ist vor allem in der Kindheit nichts Aussergewöhnliches. Trotzdem ist Vorsicht angebracht.

Der neunjährige Bub schlief tief und fest, als er plötzlich aufstand, das Fenster öffnete – und prompt aus dem ersten Stockwerk stürzte. Er hatte Glück und erlitt nur leichte Prellungen. In wachem Zustand klingelte er danach bei seiner Mutter, die ihm verdutzt die Türe öffnete.

Die Geschichte dieses kleinen Schlafwandlers hat sich so vor einem Jahr in München zugetragen. Die meisten Betroffenen sind jung: Gemäss der Klinik für Schlafmedizin in Zurzach kennen rund 15 bis 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen nächtliche Eskapaden, an die sie sich am nächsten Morgen nicht mehr erinnern. Bei den Erwachsenen sind es rund 1,5 bis 2,5 Prozent.

Zum Glück ist es nicht der Normalfall, dass sich die Betroffenen in ernsthafte Gefahr bringen. Typische Formen des Schlafwandelns sind plötzliches Aufrichten im Bett, Schreien oder ausgedehntere «Spaziergänge» durch die Wohnung. Solches Verhalten ist die Folge einer Aufwachstörung: Schlafwandler befinden sich gleichzeitig in einem Schlaf- und einem Wachzustand. Jene Gehirnareale, die für Muskelaktivitäten und Bewegungen zu-ständig sind, erwachen, während die Areale für Bewusstsein und Erinnerung weiter im Tiefschlaf schlummern. So sind motorische Bewegungen wie Laufen oder Funktionen wie Schreien möglich, obwohl die grossen Hirnareale inaktiv sind.

Keinesfalls sollte man versuchen, Schlafwandler aufzuwecken – in ihrer Desorientierung sind sie unberechenbar und können vor Schreck sich und andere gefährden. Auch ist es angebracht, entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, da Schlafwandler ihre Umgebung nicht richtig wahrnehmen: Fenster sollten nicht allzu leicht zu öffnen sein und Gegenstände, mit denen Schlafwandler sich oder andere verletzen können, sollten ausser Reichweite aufbewahrt werden. Meistens verschwindet die Aufwachstörung noch vor der Pubertät von alleine. Erwachsene, die schlafwandeln, sollten auf jeden Fall den Ursachen auf den Grund gehen. Auslöser können unter anderem Stress, Alkohol oder Schlafmangel sein.

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