(Thomas Zimmermann)

Ist gegen alles ein Kraut gewachsen?

Die Berg-Apotheke in Zürich ist die Königin der Kräuter. Inhaber Andreas Lenherr hat sich mit Leib und Seele den Heilpflanzen verschrieben.

Manchmal nennen ihn Kunden versehentlich Herr Berg. Und als Andreas Lenherr vor genau 25 Jahren die Berg-Apotheke zum Kauf angeboten bekam, suchte er sie zuerst am Zürichberg. Doch wie er dann schnell herausfand, geht der Name nicht auf den Standort zurück, sondern auf den Kräuterpfarrer Johann Künzle (1857–1945), der seine Patienten insbesondere mit Kräutern aus den Alpen behandelte.

Grösste Kräuter Apotheke der Schweiz

1990 übernahm der Botaniker und eidgenössisch diplomierte Apotheker Andreas Lenherr die Berg- Apotheke, die heute mit über 2000 Kräutern und Gewürzen die grösste Kräuter-Apotheke der Schweiz ist. Andreas Lenherr versteht sein Angebot nicht etwas als Alternativ-, sondern als Komplementärmedizin. Natürlich ist nicht gegen alles ein Kraut gewachsen. «Aber gerade bei Menschen, die wegen einer chronischen Erkrankung permanent auf Medikamente angewiesen sind, können Heilkräuter die Nebenwirkungen lindern», so Lenherr.

Er arbeitet eng mit Ärzten zusammen, für die er Kräutermischungen, Tinkturen und Salben aller Art herstellt. «Die Ärzte sagen, was ihre Vorstellungen sind, wir schauen, was machbar ist», so Lenherr. Diese Magistralrezepturen, also für Individuen angefertigten Produkte, bedingen eine gute Absprache zwischen Arzt und Apotheker. Heilpflanzen können nicht einfach nach Lust und Laune eingesetzt werden. «Sie sind nicht harmlos», warnt Andreas Lenherr.

Hoher Anteil an Eigenproduktionen

Umso wichtiger ist das Know-how von Apothekern wie Andreas Lenherr. Er und sein 15-köpfiges Team stellen in rund der Hälfte ihrer Arbeitszeit selber Produkte her, sei es nach eigener Rezeptur, direkt für Kundinnen und Kunden oder auf Vorschlag der Ärzte. Mit Stefan Szöllösi arbeitet sogar ein gelernter Konditor in der Apotheke. «Die Arbeit ist sehr ähnlich, braucht es doch auch in einer Apotheke viel Fingerfertigkeit und ein hohes Hygienebewusstsein», erläutert Lenherr.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien bestätigen die Heilkraft von Pflanzen; entsprechend ist die Phytotherapie auch in der Grundversicherung abgedeckt. Eine der besterforschten Pflanzen ist das Johanniskraut, das gegen Verstimmungen und leichte Formen von Depressionen hilft, aber ohne die Nebenwirkungen herkömmlicher Antidepressiva. Heilpflanzen sind wieder sehr gefragt, beobachtet Lenherr – anders als nach dem Zweiten Weltkrieg, als der rasante Fortschritt in eine Technologiegläubigkeit mündete und das jahrtausendealte Wissen über die Heilkraft der Natur zurückdrängte. Andreas Lenherr ist mit dem Wissen um die Wirkungskraft der Pflanzen aufgewachsen. War er als Kind unruhig oder plagte ihn ein Husten, gab es Goldmelissentee. «Darauf schwöre ich bis heute», so Lenherr.

Pflanzen und ihre Wirkung – vier Beispiele

Ginseng: wirkt gegen geistige und körperliche Müdigkeit
Ginkgo: fördert die Hirndurchblutung
Mönchspfeffer: hilft gegen prämenstruelle Beschwerden
Johanniskraut: hellt bei leichten Depressionen die Stimmung auf

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert.*