HWS Syndrom: wie die Nacken Fehlhaltungen zu Schmerzen führen
(Gettyimages)

HWS-Syndrom: wie die Nacken Fehlhaltungen zu Schmerzen führen

Nacken-Fehlhaltungen sind alles andere als selten. Kreative Bezeichnungen wie Geierhals oder Handy-Nacken umschreiben typische Fehlhaltungen. Sie sind dank Schreibtischarbeit, zunehmender Mediennutzung und wenig Bewegung weit verbreitet.

Eine Fehlhaltung kommt nur zustande, wenn eine Haltung über längere Zeit nicht verändert wird und sich so die Muskeln im Ungleichgewicht bilden. Das heisst, manche Muskeln sind nicht mehr so beweglich, andere werden schwach. Verspannen sie unter dauerhaftem Zug oder Belastung, bilden sich zum Beispiel auch verhärtete Knoten, die Triggerpunkte.

Über längere Zeit führt das zu Fehlhaltungen – der Körper passt sie an die Position an, die man täglich einnimmt.

Typische Fehlhaltungen

  • «Geierhals»: Die Brustwirbelsäule neigt sich stark nach vorne (verstärkte Kyphosierung), der Kopf ist vor den Körper gestreckt. Der Nacken ist dabei gestreckt oder nur leicht gekrümmt. Es kommt Zug auf die hintere Nackenmuskulatur, sie verspannt und schmerzt, während die vordere Nackenmuskulatur gestreckt wird. Die Position wird vor allem durch ständiges sitzen am PC begünstigt.
  • «Handy-Nacken»: Der Kopf ist stark nach vorne geneigt. Beim Blick nach unten auf das Smartphone sind die hinten gelegenen Muskeln und Bänder langgezogen, die vorderen dagegen verkürzt.
  • Schulterhochstand: Gerade durch Stress, Unsicherheit oder auch bei Kälte zieht man häufig beide Schultern nach oben. Dadurch verspannen die beide seitlichen Teile des Trapezius Muskels – die Sorgen sitzen also buchstäblich im Nacken.
  • Schiefhals («Torticollis»): Eine seitlich geneigt oder gedrehte Halswirbelsäule kann von Geburt an auftreten oder bei einem akuten Halswirbelsäulen Syndrom.

Natürlich gibt es keine optimale Position nicht, denn jeder Mensch ist unterschiedlich gebaut und hat andere Anforderungen an seinen Körper – man kann also nicht gleich von einer Fehlhaltung sprechen.

Fehlhaltungen führen nicht nur zu Verspannungen

HWS-Syndrom

Beschwerden im Hals-Nacken-Bereich, die in den Hinterkopf und die Arme ausstrahlen und mit Verspannungen, schmerzhaften Bewegungseinschränkungen, Kopfschmerzen und Sehstörungen einhergehen können.
Spätestens wenn Verspannungen und Schmerzen auftreten, sollte man aber reagieren. Zunächst bewirken solche Fehlhaltungen «nur» Verspannungen im Muskel. Was passiert? Die Muskelverhärtungen verhindern, dass der Muskel genug durchblutet wird, denn sie drücken die Gefässe im Muskel zusammen.

Langfristig bilden sich so unter dauerhaftem Zug oder Belastung Entzündungen und Muskelverkürzungen. Was anfängt mit einer eingeschränkten Beweglichkeit, beeinträchtig Durchblutung, Nerven oder andere Strukturen, wie zum Beispiel die Bandscheiben oder Gelenke, und löst Schmerzen in anderen Bereichen aus.

Fehlhaltungen können andere Bereiche beeinträchtigen:

  • Starke Schmerzen und Verspannungen im Schulter- oder Rückenbereich
  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • Kieferverspannungen
  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Ausstrahlungen in Arme: Eine Fehlhaltung oder ein verspannter Muskel übt Druck auf den Nerv aus oder der Nerv kann sich nicht frei bewegen. Man spürt das zum Beispiel in Form von Kribbeln im Arm oder der Hand.

Was verbessert die Haltung?

Übungen, die die Halswirbelsäule herausfordern

Einseitige Positionen unterfordern die Halswirbelsäule einerseits, überfordern sie aber auch, weil sie oft über Stunden in der gleichen Position gehalten werden. Übungen für den Nacken beugen Verspannungen vor und helfen gegen Schmerzen.
Es ist möglich, die eigene Haltung durch Training zu verbessern. Dazu gibt es Übungen, die die Brustwirbelsäule aufrichten, die Schulterblätter nach hinten zusammenziehen, die Kopfposition korrigieren und die Brustmuskulatur dehnen. Um mit diesen Übungen erfolgreich zu sein, muss man sie im Alltag aber langfristig anwenden und das erfordert viel Konsequenz.

Was letztendlich nicht vergessen werden darf: Jede Haltung – egal wie «gut» sie ist – ist schwierig für den Körper, wenn sie lange gehalten wird. Auch wenn der Arbeitsplatz perfekt angepasst ist, Muskeln brauchen Bewegung und müssen durchblutet werden, um nicht zu verspannen.

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