Fastenzeit: Weshalb der Nahrungsverzicht natürlich ist
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Fastenzeit: Weshalb der Nahrungsverzicht natürlich ist

Nahezu alle Kulturen und Religionen kennen eine Fastenzeit. Für den zeitweisen Nahrungsverzicht war die Natur das Vorbild.

Fragt man Jesuit und Zen-Meister Niklaus Brantschen nach dem Ursprung des Fastens, blickt er weit zurück. Denn das Phänomen, ohne oder mit wenig Nahrung auszukommen, existierte bereits, als es noch keine Menschen gab. Tiere, unsere «Ahnen», fuhren im Winter von jeher ihren Energieverbrauch aufs Minimum herunter, indem sie Ruhe und Rückzug suchten.

Fasten: was passiert im Körper?

Etwas weltlicher wird das Fasten, wenn wir auf die Abläufe in unserem Körper blicken: Zuerst werden nämlich Vielfachzucker in Leber und Muskeln gespaltet, bevor dann das Fett an der Reihe ist – der Körper zapft also seine Energiereserven an. Die Details erfahren Sie in unserem Blog:

Was passiert im Körper?

Geist und Sinne schärfen

Innehalten und von den eigenen Reserven zehren – dies haben Menschen der Natur abgeschaut und es sich bald zunutze gemacht. Gezwungenermassen, denn auch sie mussten immer wieder Nahrungsknappheit überstehen. Oder aber freiwillig, um sich auf andere Dinge zu fokussieren und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Schon Philosophen wie Platon sollen gefastet haben, um Geist und Sinne zu schärfen.

Wenn Menschen sich im Verzicht üben, macht es sie zudem empfindsamer fürs «grosse Ganze», mit denen die Religionen zu tun haben, erläutert Niklaus Brantschen weiter. Seiner Anschauung nach gäbe es das eine nicht ohne das andere: «Fasten hat das Entstehen der Religionen begünstigt, während die Religionen das Fasten immer wieder geregelt haben.»

Zur Besinnung kommen, Opfer bringen, die Seele reinigen, seinem Gott näher sein: Dies sind Beweggründe für religiöses Fasten. Weltreligionen wie der Islam oder das Christentum haben dafür unterschiedliche Regeln aufgestellt.

  • Die Fastenzeit im Islam heisst Ramadan. Bezeichnet wird damit der neunte Monat im islamischen Kalander. Der Ramadan beginnt in diesem Jahr am 5. Mai und endet am 4. Juni. Er erinnert an jene Zeit, als dem Propheten Mohammed der Koran offenbart wurde. Gläubige Muslime dürfen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Dies ist nur nachts erlaubt.
  • – Die Fastenzeit im Christentum beginnt am Aschermittwoch und dauert 40 Tage bis zum Karfreitag. Diese Busszeit bereitet auf Ostern, das wichtigste Christenfest, vor. Und erinnert daran, dass auch Jesus 40 Tage lang in der Wüste gefastet hat. Eigentlich vorgeschrieben ist diese Phase heute nicht mehr – im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen Christen bis zu 130 Tage lange fasten mussten. Katholiken wird in der Fastenordnung jedoch empfohlen, am Aschermittwoch und Karfreitag kein Fleisch zu essen.

«Fasten hat das Entstehen der Religionen begünstigt, während die Religionen das Fasten immer wieder geregelt haben.»
Niklaus Brantschen, Jesuit und Zen-Meister

Sein Verhalten überdenken

Wer heute fastet, tut es meistens freiwillig. Und definiert selbst, warum er es tut und worauf er verzichtet. Die einen entsagen Genussmitteln wie Alkohol, Kaffee oder Schokolade, weil es ihrer Gesundheit guttut. Andere verordnen sich einen Konsum- und Kaufstopp oder lassen Computer und Fernseher ausgeschaltet. Weil es Zeit freischaufelt und Möglichkeiten eröffnet, sein eigenes Verhalten zu überdenken, sich mit anderen auszutauschen, zu meditieren oder zu beten.

Idealerweise kommen beim Fasten persönliche und spirituelle Aspekte zusammen, findet Niklaus Brantschen, der Interessierte zum Verzicht anleitet. Er selbst fastet regelmässig seit mehreren Jahrzehnten. Dies aus einem weiteren Beweggrund: «Es macht mich sensibler für andere Menschen, zumal für jene, die in Not sind.»

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