Antibiotikaresistenz: Welche Folgen haben widerstandsfähige Bakterien?
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Antibiotikaresistenz: Welche Folgen haben widerstandsfähige Bakterien?

Viele Antibiotika wirken nicht mehr, weil Bakterien dagegen resistent sind. Fachleute warnen: Ohne ein Umdenken sind Menschen bald machtlos gegen krank machende Erreger.

Antibiotika galten jahrzehntelang als probates Mittel gegen bakterielle Infektionen wie Lungenentzündungen. Die Medikamente töteten die Bakterien ab oder stoppten deren Wachstum. So wurde der Körper mit einer Infektion fertig.

Dass immer mehr Bakterien widerstandsfähig gegenüber Antibiotika werden, haben sich Menschen zu einem guten Teil selbst zuzuschreiben. Die Mittel werden zu häufig und unsachgemäss eingesetzt, warnt das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Die Folgen sind gravierend: Pro Jahr sterben in der EU rund 25 000 Menschen infolge von Antibiotikaresistenzen. Was heisst: Es ist wahrscheinlicher geworden, wieder an einer Infektion zu sterben, die noch vor mehreren Jahren gut zu therapieren war.

Multi-Resistenz kann tödlich enden

In der Schweiz liegen dazu nur Schätzungen aus Spitälern vor. Demnach erkranken jährlich zirka 70 000 Patienten an Spitalinfektionen. 2000 sterben daran – bei einem Teil von ihnen waren resistente Erreger die Ursache dafür. Diese sind zunehmend multiresistent, also gleich gegen mehrere Antibiotika widerstandsfähig. Infektionen lassen sich so sehr schwer oder gar nicht mehr behandeln.

Sorgen bereiten Fachleuten aktuell Darmbakterien, die ein bestimmtes Enzym bilden (ESBL). Diese bereiten als Teil der gesunden Darmflora normalerweise keine Probleme. Bei geschwächtem Immunsystem oder nach Operationen können die Bakterien jedoch Blutvergiftungen, Lungenentzündungen oder Harnwegsinfektionen verursachen. Dagegen aber stehen nur noch wenige Reserve-Antibiotika zur Verfügung. Diese kommen dann zum Einsatz, wenn herkömmliche Wirkstoffe versagen.

Verbrauch senken – auch in der Tiermedizin

Fachleute fordern deshalb, den Antibiotika-Verbrauch zu senken. Dies nicht nur in der Human-, sondern auch in der Tiermedizin. Bei Nutztieren wie Hühnern, Kälbern und Schweinen ist der Einsatz zwar rückläufig und beträgt aktuell rund 43 Tonnen pro Jahr. Gleich ist aber der Verbrauch der Reserve-Antibiotika geblieben, die eigentlich für Menschen bestimmt sind. Und dies sei eine fatale Praxis, warnen Spitalhygeniker. Denn dadurch können auch für Menschen weitere, gefährliche Resistenzen entstehen.

Wichtig ist zudem wirksame Prävention: „Je mehr Infektionskrankheiten verhindert werden, desto weniger Antibiotika braucht es zur Therapie“, empfiehlt das BAG. Die Verhaltensregeln dazu sind für den Einzelnen denkbar einfach.

Was man selbst tun kann

  • Gegen Viren nützen Antibiotika nichts, sie sind das falsche Mittel bei Erkältungen oder Grippe.
  • Sich nie auf eigene Faust mit Antibiotika behandeln. Die Medikamente nur einnehmen, wenn sie der Arzt wegen einer bakteriellen Infektion verordnet.
  • Keine Antibiotika ohne Rezept im Internet oder im Ausland kaufen.
  • Verordnete Antibiotika nur in der vorgeschriebenen Dosierung einnehmen.
  • Übrig gebliebene Medikamente entsorgen, nicht aufbewahren, um sie später einzunehmen.

Wie man sich und andere schützt

  • Bakterien werden vor allem als Kontaktinfektion übertragen. Deshalb: Regelmässig die Hände waschen – nach jedem Toilettengang, vor dem Kochen, vor dem Essen.
  • Immer mehr Nutztiere tragen resistente Keime in sich, diese können auch in Lebensmittel gelangen. Deshalb Fleisch getrennt von Lebensmitteln zubereiten, die nicht gekocht werden (das Kochen tötet die Keime ab). Danach Messer, Brett und Hände gründlich mit heissem Wasser und Seife reinigen.
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