Ayurveda-Kuren: Alles andere als Wellness

Ayurveda-Kuren: Alles andere als Wellness

Sanfte Massagen mit warmem Öl – auf diesen Wellness-Aspekt wird Ayurveda oft reduziert. Dabei handelt es sich um die weltweit älteste Erfahrungsmedizin.

Der Begriff Ayurveda stammt aus der altindischen Gelehrten-Sprache Sanskrit und setzt sich aus zwei Wortteilen zusammen: «Ayus» bedeutet Leben, «Veda» Wissen. Ayurveda lässt sich mit «Wissenschaft vom gesunden Leben» übersetzen. Und genau darum geht es: «Ayurveda rät, nicht in Krankheit, sondern in die Gesundheit zu investieren», sagt der Schweizer Ayurveda-Mediziner Hans Heinrich Rhyner. Denn die Menschen dort abzuholen, wo sie selbstmotiviert etwas für sich und ihr Wohlbefinden tun können, sei die wirksamste Medizin.

Ayurveda

Ayurveda nennt sich vieles und nicht alle Angebote sind seriös. Der Verband Schweizer Ayurveda Mediziner und Therapeuten setzt Standards, die auch vom Bund geregelt sind. Unter www.vsamt.ch können die in der Schweiz tätigen Ayurveda-Berufsleute samt ihrer Qualifikation abgerufen werden.

Das Prinzip der drei Energien

Nach ayurvedischer Anschauung besteht alles Leben aus den fünf Elementen Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Jedem dieser Elemente werden bestimmte Kräfte, Eigenschaften und Erscheinungsformen zugeschrieben, und diese finden sich auch im menschlichen Körper wieder. Aus den fünf Elementen haben indische Ayurveda-Mediziner deshalb drei Energieprinzipien abgeleitet, die beim Menschen alle körperlichen und seelischen Vorgänge regulieren sowie Körperbau, Charakter, Vorlieben und Abneigungen prägen:

  • Vata steht für das Element Luft und Raum und das Energieprinzip Bewegung. Es steuert Aktivität und Wachheit, den Kreislauf, die Atmung. Vata-Typen sind feingliedrig und kreativ. Sie neigen zu unregelmässiger Lebensführung.
  • Pitta steht für Feuer und Wasser und das Prinzip Umwandlung. Es regelt Verdauung, Stoffwechsel und Wärmehaushalt. Pitta-Typen haben einen mittleren Körperbau, sind kritisch und analytisch und haben einen Hang zur Ungeduld.
  • Kapha steht für Wasser und Erde und das Prinzip der Struktur. Es reguliert Körperflüssigkeiten und Abwehrkräfte. Kapha-Typen haben einen kräftigen Körperbau, sind ausdauernd und kaum aus der Ruhe zu bringen.

Diese drei Energieprinzipien werden Doshas genannt. Von Geburt an erhält jede Person seine eigene Dosha-Konstitution und behält sie ein Leben lang. Zwar wirken bei jedem Menschen alle drei Energieprinzipien, in der Regel aber sind ein oder zwei Doshas vorherrschend. Sind diese im individuellen Gleichgewicht, so besagt Ayurveda weiter, ist man gesund. Die Balance kann aber durch Stress oder falsche Lebensweise aus dem Lot geraten.

Puls- und Zungendiagnose

Um dem Ungleichgewicht auf die Spur zu kommen, benötigt es eine gründliche Bestandsaufnahme, ist Hans Heinrich Rhyner überzeugt. «Das ist die klassische und richtige Anwendungsweise.» Ayurvedische Mediziner oder Therapeuten setzten dafür unter anderem auf Puls- und Zungendiagnose. Es lässt sich daraus ablesen, wie es um den Dosha-Zustand bestellt ist. Zur Diagnose gehören aber auch Fragen zur familiären und beruflichen Situation, zum Tagesablauf, zu den Ess- und Trinkgewohnheiten.

Individuelle Therapie

Ziel einer Ayurveda-Kur ist es, das Gleichgewicht der Doshas wieder herzustellen. Die Behandlung ist auf den Einzelnen abgestimmt. Eine Ernährungsumstellung kann ebenso dazu gehören wie verschiedene Massagen, Schwitzbäder, Kräuterpräparate zum Einnehmen sowie Yoga oder Meditation.

In speziellen Kliniken werden, je nach Beschwerde- oder Krankheitsbild, zudem spezielle Reinigungskuren angewendet. Dabei wird der Körper innen und aussen von krankheitsverursachenden Stoffen befreit. Indem man Ghee, gesottene Butter, trinkt. Darüber hinaus mit Ölmassagen, Einläufen oder herbeigeführtem Erbrechen. Diese intensive Prozedur wird Panchakarma-Kur genannt – und ist alles andere als Wellness. Wie wirksam Ayurveda-Kuren sind, ist wissenschaftlich nicht erwiesen.

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