Was spriesst denn nun im Wald?

Ein prächtiger Fliegenpilz, ein Parasol oder wohlschmeckender Pfifferling: Wer sich derzeit in den Wald begibt, darf sich über eine reiche Vielfalt an (Speise-)Pilzen freuen.
Allerdings gilt es, beim Pilzsammeln einige Dinge zu beachten.

Pilze sammeln? Ist doch ganz einfach: Man besorgt sich ein Pilzbuch (oder neuerdings eine iPhone-App), packt Korb und Sackmesser ein und schreitet zur Tat. Doch ganz so einfach sollte man es sich nicht machen. «Viele Leute überschätzen sich und merken erst im Wald, wie schwierig es oft ist, einen Pilz zu bestimmen. Eindeutiger Beweis für diese Tatsache sind die alljährlichen Vergiftungsfälle von Pilzsammlern, die ihre Pilzfunde nicht kontrollieren lassen», sagt Peter Meinen. Und er muss es wissen: Seit 1984 führt er nämlich im luzernischen Willisau (und neustens auch in Sursee) Pilzkontrollen durch – um die 150 pro Jahr. Zudem hat er lange Jahre selber Pilzkontrolleure ausgebildet und ist heute ein gefragter Fachmann rund um das Thema Pilze.

Wichtig für das Ökosystem
«Pilze sind ein überaus wertvoller Baustein unseres Ökosystems und gehen mit vielen anderen Pflanzen eine Symbiose ein», betont Peter Meinen. «Es ist deshalb unsinnig, einfach mal in den Wald zu schreiten und zu ernten, ohne zu wissen, was denn nun genau im Pilzkorb liegt.» Aus Respekt vor der Natur empfiehlt er deshalb allen, die mit dem Pilzsuchen liebäugeln, sich die wichtigsten Grundlagen anzueignen – am besten in einem Pilzgrundkurs, wie auch Peter Meinen seit Jahren einen anbietet, oder in einem der 100 Pilzvereine der Schweiz (siehe Link). In Theorie und vor allem auch Praxis lernen Interessierte in den Kursen die wichtigsten Fakten rund um das Thema kennen und können letztlich die bekanntesten Speise- und vor allem Giftpilze bestimmen. Ein solcher Kurs ermöglicht nicht nur einen ganz anderen Bezug zum Pilzsammeln. «Er gibt auch eine Sicherheit, die kein Buch und vor allem auch keine iPhone-App vermitteln kann.»

Pilz und Fruchtkörper
Was wir gemeinhin als Pilz bezeichnen, ist lediglich der Fruchtkörper, nicht aber der eigentliche Pilz. Dieser befindet sich – als weit verzweigtes Geflecht – unsichtbar im Boden. Lediglich wenn die äusseren Bedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit) stimmen, bildet das Pilzgeflecht einen sichtbaren Fruchtkörper, also z.B. einen Steinpilz. Unterirdische Pilzgeflechte können Hunderte von Jahren alt werden und eine enorme Ausdehnung (bis mehrere Quadratkilometer) erreichen.

Nur wenige Giftpilze
Von den schätzungsweise 8000 Grosspilzen, die es in Mitteleuropa gibt, ist übrigens nur ein kleiner Teil extrem giftig, allen voran der grüne Knollenblätterpilz. Sein Gift entfaltet eine tödliche Wirkung, dem – mit grosser Wahrscheinlichkeit – auch der österreichische Kaiser Karl 1740 zum Opfer fiel zehn Tage nach einem Pilzmahl. Das Problem ist, dass gewisse Pilze in ihren verschiedenen Wachstumsstadien völlig unterschiedlich aussehen. «Dies erschwert vor allem ungeübten Laien eine genaue Bestimmung.» Und ist gleichzeitig ein Hinweis, wie wunderbar vielfältig unsere Pilzwelt ist. www.vsvp.com

 

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