Mehlwurm & Co auf unserem Teller
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Mehlwurm & Co auf unserem Teller

Grillen, Heuschrecken und Mehlwürmer dürfen in der Schweiz als Lebensmittel auf den Tisch. Was das Essen von Insekten für die Gesundheit bietet – und wie man sie hinunterbekommt.

Nahrhaft, gut schmeckend und in weiten Teilen der Welt als Delikatesse beliebt: Von Insekten ernähren sich schon heute rund zwei Milliarden Menschen, vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika. Es ihnen gleich zu tun, empfiehlt die Ernährungs-Organisation der Vereinten Nationen, FAO. Sie bezeichnet Insekten als Nahrungsmittel der Zukunft. Denn damit werde die wachsende Weltbevölkerung satt und – verglichen mit Viehzucht und Fleischproduktion – die Umwelt geschont.

Um Insekten zu essen gibt es in der Schweiz inzwischen mehrfach Gelegenheit. Seit knapp einem Jahr sind Mehlwürmer, Grillen und Wanderheuschrecken als Lebensmittel zugelassen. Sie dürfen als ganze Tiere, zerkleinert oder gemahlen verkauft werden. Einzelne Start-ups haben sich auf Insektenzucht spezialisiert und bieten auch Kochkurse und Kochbücher. Der Grossverteiler Coop hat drei Produkte im Sortiment, unter anderem Mehlwurm-Burger. Sie gleichen jenen aus gehacktem Rindfleisch oder den Vegi-Varianten aus Quorn oder Tofu.

Eine kleine Degustation zeigt: Es schmeckt vor allem nach Gewürzen und ein bisschen nach dem beigemengten Gemüse. Die für den Mehlwurm typische, leicht nussige Note kommt kaum zur Geltung. Auch einzelne Restaurants haben spezielle Speisen im Angebot. Im Basler «Bug a Thai» etwa gibt es ein Curry mit ganzen Tieren. Gäste loben die angenehme Konsistenz und den dezenten Eigengeschmack.

Anerzogenes Ekelgefühl

In einen Mehlwurm oder eine Grille beissen – für viele ist das eine unappetitliche Vorstellung. Europäer schätzen zwar andere Gliederfüsser wie Garnelen, Krebse oder Shrimps. Und Maikäfer-Suppe war bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine beliebte und sättigende Mahlzeit. Die neu zugelassenen Insekten können aber Ekelgefühle auslösen. Diese seien anerzogen und vor allem in der westlichen Kultur stark ausgeprägt, sagen Verhaltensforscher.

Doch der Ekel lässt sich überwinden. Etwa mit verarbeiteten Produkten, bei denen nichts mehr ans Tier erinnert. Oder indem man andere beobachtet, wie sie mit Appetit zugreifen. Das lässt einen selber mutiger werden, es ebenfalls zu probieren. Darüber hinaus hilft offenbar ein hoher Preis, die Hemmschwelle zu senken. Denn Kostspieliges suggeriert exklusive Qualität und besonderen Genuss.

Gehaltvolle Bienendrohnen

Ob es hierzulande Insekten für eine ausgewogene Ernährung braucht, ist umstritten. Der Verein Swissveg empfiehlt: Für den Protein-Bedarf lieber gleich zu unverarbeiteter pflanzlicher Kost greifen, anstatt den aufwändigeren Umweg über die Insektenzucht zu nehmen. Dabei gibt es laut Forschern der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, ZHAW, bessere Alternativen. Larven von Bienendrohnen zum Beispiel, die als besonders wertvoll und wohlschmeckend gelten. Sie fallen bei Imkern als Abfallprodukt an; bis zu 100 Tonnen Drohnenmaden werden in der Schweiz jährlich weggeworfen.

„Insekten enthalten tatsächlich nennenswerte Mengen an Protein und auch ihr Gehalt an weiteren wertvollen Inhaltsstoffen ist nicht zu unterschätzen.“, sagt Stéphanie Bieler von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung, SGE. Allerdings seien sie anderen Lebensmitteln wie Milchprodukten, Fleisch, Fisch, Eier oder Tofu nicht überlegen. Bielers Empfehlung: Auf Abwechslung achten, denn jedes der genannten Lebensmittel habe ein etwas anderes Nährwertspektrum. Insekten können dabei Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Zwingen muss sich dazu aber niemand.

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