Fructoseintoleranz

Wenn das Essen von Fruchtzucker mit Bauchweh endet

Medizinisch gesehen bringt die häufigste Form der Fructoseintoleranz keine schwerwiegenden Folgen mit sich. Doch Betroffene leiden unter den Symptomen wie Blähungen, Durchfall bis hin zu Erbrechen.

Ein Apfel zum Z’Nüni: Das kann Personen mit Fructoseintoleranz auf den Magen schlagen.

12-16% der Schweizer Bevölkerung sind schätzungsweise von der intestinalen Fructoseintoleranz betroffen – mit steigender Tendenz.

Warum? Fructose ist billig – deshalb wird der Fruchtzucker häufig für Industrieprodukte verwendet. Fructose ist ausserdem süsser als handelsüblicher Haushaltszucker und wird auch ohne Hilfe des Hormons Insulin verstoffwechselt. Deshalb galt Fructose lange als idealer Diabetikerzucker. Fructose steht daher häufig auf der Zutatenliste von Diät- und Light-Produkten mit den Aufschriften „weniger Zucker“ oder „mit Fruchtsüsse“ gemischt. Das führt dazu, dass auch nicht betroffene Personen mehr als die empfohlenen 35 g Zucker pro Tag zu sich nehmen.

Was ist eine intestinale Fructoseintoleranz

Hereditäre Fructoseintoleranz – eine angeborene Stoffwechselstörung

Diese Form der Fructoseintoleranz ist sehr selten und wird meist schon im Säuglingsalter entdeckt. Betroffene müssen ein Leben lang weitestgehend auf Fruchtzucker verzichten. Ein Gentest oder eine Gewebeprobe aus Leber oder Dünndarm bringt hier Klarheit.
Spricht man von einer Fructoseintoleranz, ist in den meisten Fällen die Rede von der Fructosemalabsorption, auch intestinale Fructoseintoleranz genannt. Betroffene können die mit der Nahrung aufgenommene Fructose nicht wie üblich über den Dünndarm aufnehmen. Mithilfe von Darmbakterien wird sie stattdessen im Dickdarm abgebaut. Dabei bildet sich Gas. Auslöser dieser Einschränkung können Magen-Darm-Erkrankungen oder darmschädigende Medikamente sein. Eine Fructoseintoleranz kann jederzeit im Laufe des Lebens auftreten.

Wie wird eine Fructoseintoleranz diagnostiziert

Einmal pusten bitte. Lebensmittelunverträglichkeiten enden oft mit Bauchschmerzen, womit sie schwer zu unterscheiden sind und eine Diagnose unablässig ist. Zur Feststellung einer Fructoseintoleranz hat sich der H2-Atemtest bewährt. Der Betroffene trinkt auf nüchternen Magen eine Fructose-haltige Testlösung. In regelmässigen Abständen wird in einem Zeitraum von 2-3 Stunden der Wasserstoff- und Methangehalt im Atem gemessen. Kommen die Bakterien im Dickdarm zum Einsatz, steigt der Wasserstoff- und Methangehalt im Atem deutlich an.

Wo ist Fruchtzucker drin

Die höchsten Konzentrationen versteckt sich in frischen Kirschen und Weintrauben. Auch ihre getrockneten Verwandten wie Rosinen gehören zu den Spitzenreitern, denn beim Trocknen steigt die Konzentration enorm an. Viel Fruchtzucker ist in der Regel auch in diesen Lebensmitteln enthalten:

  • Orange, Birne, Dattel, Mango, Melone, Ananas, Quitte, Beeren in grösserer Menge
  • Honig, Ahornsirup, Haushaltszucker, Maissirup
  • Gemüse wie Artischocke, Bohnen, Broccoli, Kohl, Tomaten, Zwiebel und Zuccini in grösserer Menge

Aber auch in verarbeiten Lebensmitteln versteckt sich die Fructose. Daher lohnt sich der Blick auf die Zutatenliste. Ein dauerhafter Verzicht auf Obst und Gemüse ist nicht notwendig, denn Betroffene vertragen oftmals eine gewisse Menge des Einfachzuckers. So kann man einem Nährstoffmangel zuvorkommen. Wie viel von was vertragen wird, muss individuell in Begleitung von einem Arzt oder Ernährungsberater geprüft werden.

Fructoseintoleranz Zeitstrahl

Welche Früchte sind gut verträglich

Die Banane und Mandarine sind die Geheimwaffe unter den Früchten: Sie enthalten mehr Glucose als Fructose und verbessern dadurch die Aufnahme im Dünndarm. Früchte und Gemüse mit gleichem oder höherem Glucose- statt Fructose-Gehalt sind generell verträglicher. Fett und Protein haben dieselbe Wirkung. Also lieber Erdbeeren mit Joghurt geniessen, statt die Erdbeeren alleine.

Was ist Fruchtzucker?

Fruchtzucker ist wie Glucose eine Form von Kohlenhydraten, die natürlich in vielen Lebensmitteln – nicht nur Früchten – vorkommt. Bei Fructose schüttet der Körper – im Gegensatz zu Glucose – nicht Insulin aus. Dadurch fehlen die Sättigungssignale des Körpers. Das heisst aber nicht, dass man generell Fructose vermeiden sollte. In der natürlichen Form in Früchten und Gemüse ist Fructose kein Problem, denn kombiniert mit anderen Zuckerarten kann Fructose besser aufgenommen werden. So können auch Menschen, die an Fructoseintoleranz leiden, gewisse Fruchtsorten geniessen. Fruchtzucker wird aber auch künstlich hinzugesetzt. Oftmals soll ein Aufdruck «enthält Fruchtzucker» paradoxerweise gesund wirken. Genau diese Produkte sättigen aber wenig und treiben den Blutzucker in die Höhe.

2 Kommentare zu “Wenn das Essen von Fruchtzucker mit Bauchweh endet

  1. Danke für die ausführlichen Informationen. Interessant finde ich, dass im Artikel mit keinem Wort Präparate erwähnt werden, welche die Verdauung beim Verarbeiten der Fructose unterstützen. Diese gibt es nämlich! So ist man nicht gezwungen, ständig zu verzichten. Liegt das vielleicht daran, dass die Krankenkassen die Kosten für diese Medikamente nicht übernehmen?

    1. Liebe Frau Hänggi

      Danke für Ihre Anregung. Nein in erster Linie wollen wir umfassend zu Fructoseintoleranz informieren. Deshalb werden wir das auf jeden Fall in den Artikel mit aufnehmen.

      Herzliche Grüsse aus Luzern

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