(Iulian Valentin / Thinkstock)

Wie gefährlich ist der Muskelkult?

Junge Männer erliegen zunehmend einem Schönheitswahn und helfen dem Muskelaufbau künstlich nach. Das kann sie teuer zu stehen kommen.

Der Leinwandheld steigt mit gestähltem Oberkörper aus dem Wasser. Der Fussballstar präsentiert beim Torjubel sein Sixpack. In der «Kuppel-Show» am TV sind nur Männer zugelassen, die einen bis in die Zehenspitzen gestählten Körper haben: Muskeln, soweit das Auge reicht. Sogar Actionfiguren oder Comic-Helden für Kinder haben an Muskelmasse zugelegt.

Falsche Idole

Solchen «Vorbildern» eifern immer mehr Jugendliche nach und definieren sich in erster Linie über ihren Bizeps. Eine Entwicklung, die von der Selbstdarstellung auf Social-Media-Kanälen zusätzlich befeuert wird. Die jungen Männer wollen dabei nicht nur dem anderen Geschlecht gefallen, sie treten auch in einen Konkurrenzkampf untereinander. Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz hat zusammen mit Psychologen der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) untersucht, wie es um das Körperbild der 13- bis 15-Jährigen steht. Das Fazit: Mädchen fühlen sich zu dick, Buben wollen mehr Muskeln. Diese Entwicklung spüren auch Fitnesscenter, wo immer mehr Teenies Hanteln stemmen. Trainiert wird dabei nicht in erster Linie, um gesund zu bleiben, sondern um einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen. Muskeln um jeden Preis, auch auf Kosten der Gesundheit.

Aufbaupräparate zweifelhafter Herkunft

Das Problem: Ein gesunder Muskelaufbau braucht viel Disziplin und Geduld. Da kann es verlockend sein, mit künstlichen Substanzen nachzuhelfen, mitunter sogar aus zweifelhafter Herkunft. Der Zoll beschlagnahmt jedenfalls immer mehr illegale Muskelaufbaupräparate – Anabolika gehören in der Schweiz zu den zweithäufigsten illegal importierten Substanzen. Doch für das Streben nach dem perfekten Körper zahlen jene, die zu anabolen Steroiden greifen, einen hohen Preis: Äusserlich macht sich der Konsum sichtbar über eine starke Akne im Gesicht oder am Rücken, weil Substanzen wie Anabolika auf die Talgdrüsen der Haut wirken. Betroffene müssen auch damit rechnen, dass sich die Brustdrüsen vergrössern und die Hoden verkleinern. Im schlimmsten Fall drohen Nieren-, Leber- oder Herzschäden, und das schon innerhalb des ersten Jahres.

Hohe Suchtgefahr

Hinzu kommt die Gefahr der Abhängigkeit: Sobald das Mittel abgesetzt wird, bildet sich die Muskulatur wieder zurück. Ein Teufelskreis, der auch die Psyche in Mitleidenschaft zieht. Psychosen oder schwere Depressionen können die Folge dieses ungesunden Körperkults sein. Nicht einmal Proteinshakes sind gefahrlos: Wer mehr Proteine einnimmt, als der Körper aufnehmen kann, zwingt die Niere zur Schwerstarbeit, um die überflüssigen Proteine wieder auszuscheiden. Wird nicht genügend Wasser getrunken, steigt das Risiko für Nierenschäden. Der Körper als Statussymbol und Kampfzone ist auch Ausdruck der heutigen Leistungsgesellschaft. Aber wenn sich alles nur noch um Muskelmasse und Körperfett dreht, schlägt der Körper irgendwann zurück.

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