Langlauf

Langlauf: Interview mit Rafael Ratti

Immer mehr Menschen zieht es auf die Loipe. Der Langlaufexperte Rafael Ratti spricht über die Faszination der Sportart und gibt Tipps für Anfänger.

Rafael Ratti

Rafael RattiRafael Ratti ist Disziplinenchef für Langlauf bei Swiss Snowsports und sorgt, zusammen mit seinem Team, für die Ausbildung der Langlauflehrerinnen und -lehrer in der Schweiz. Der gebürtige Bündner ist zudem als Hochschulsportlehrer an der Uni Fribourg tätig und steht auch in seiner Freizeit gerne auf den Langlauf-Skiern.


Lange galt der Langlaufsport als verstaubt oder etwas für die «ältere Generation». Das ändert sich nun und vermehrt finden auch Jüngere Gefallen daran. Stimmt das?

Das stimmt absolut. Vor 15 Jahren begegnete man am Wochenende auf der Loipe vermehrt älteren Menschen. Heutzutage sieht man auch viel mehr junge Menschen und Familien, die Spass am Langlaufen haben.

Offensichtlich sehr viele mittlerweile. Schlägt sich das auch in den Zahlen nieder?
Ja, zum einen werden deutlich mehr Langlaufpässe verkauft, zum anderen steigen die Mitglieder- und Teilnehmerzahlen in den Skiclubs und in den Ausbildungskursen zum Langlauflehrer. Dies zeigt den Trend zum Langlauf sehr deutlich.

Welche Rolle spielt Dario Cologna dabei?
Dario Cologna spielt eine wichtige Rolle, denn er hat den Langlauf sichtbar und modern gemacht. Durch die ganze Fitnesswelle ist es heutzutage cool, fit zu sein. Dario Cologna verkörpert das sehr gut. Und für die Kleinen ist er ein Riesen-Idol. Vor Dario Cologna gab es niemanden auf diesem Niveau, und das merkt man.

Viele nutzen Langlaufen auch bewusst als Wintertraining, richtig?
Ja, Langlauf hat ein gewisses Ansehen, es ist „cool“. Die ganze Community, die im Sommer auf dem Rennvelo ist und ihre Trainings auf Strava hochlädt, verlagert sich im Winter stark auf die Langlaufski und das ist natürlich genial für uns im Langlaufsport.

Was fasziniert Dich persönlich am Langlaufsport?
Für mich sind es zwei Aspekte. Zum einen ist das der soziale Aspekt. Ich liebe es gemeinsam mit anderen auf den Langlaufski unterwegs zu sein. Zum einen in den Ausbildungskursen, aber auch mit Freunden und meiner Freundin.
Der zweite Aspekt der mich fasziniert ist die Freiheit. Sobald ich die Langlaufski unter meinen Füssen habe, kann ich überall hin – gerade aus, hoch, runter, durch den Wald, in den Tiefschnee. Das gibt mir ein spezielles Gefühl von Freiheit und ich erinnere mich immer noch zurück an mich als 5-Jähriger, der seine Langlaufski anzieht und weiss: Ich kann weg, in alle Himmelsrichtungen und irgendwann zurückkommen.

Wenn jemand noch nie langlaufen war: Für wen eignet sich Langlaufen überhaupt?
Das ist ja das Schöne: Langlauf ist für jedermann und jederfrau. Auch wenn man einfach nur auf den Skiern läuft und nicht gleitet, bewegt man sich trotzdem an der frischen Luft. Ausserdem kann die ganze Familie gleichzeitig langlaufen: Während die Kinder vielleicht noch in einem kleinen Fun-Park unterwegs sind, können die Eltern eine grosse Runde machen. Für das Familien-Erlebnis ist das einfach super.

So bereiten Sie sich auf die Langlaufsaison vor:

  • Rumpfmuskulatur trainieren: Ein Übungsvideo dazu finden Sie hier.
  • Gleichgewichtstraining: Slackline oder Übungen für stabile Beine.
  • Ausdauertraining: Zum Beispiel Velo fahren, Joggen, Nordic Walking, Inline Skaten.

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Braucht es einen Kurs um Langlaufen zu lernen?
Ein Kurs lohnt sich auf jeden Fall – und das sage ich jetzt nicht nur als Disziplinen-Chef, um Werbung zu machen. Aber wenn man ohne Vorbereitung auf die Langlaufski geht, kann das schon ein Erlebnis sein, das eher abschreckt als Spass macht. Wer von Anfang an Spass und ein gutes Gefühl haben will, der sollte sich für einen Einsteigerkurs anmelden.

 
Wie schnell kann man «alleine» Spass beim Langlaufen haben?
Das ist sehr unterschiedlich, aber im Durchschnitt ist es so, dass man in einer Stunde die Grund-Bewegung erlernen kann und sich selbständig auf der Fläche, leicht hoch sowie leicht herunter bewegen kann. Es dauert also nicht lange bis es Spass macht und man es geniessen kann. Wenn es schneller und steiler wird, braucht man natürlich mehr Übung. Dazu muss man aber kein Über-Sportler sein, ein bisschen Bewegung oder Grundfitness im Alltag reicht schon aus.

Vorteile von Langlauf

  • Relativ kostengünstig im Vergleich zu anderen Schneesportarten: Bereits ab 300 CHF bekommt man die komplette Ausrüstung.
  • Perfektes Fitnesstraining: Trainiert Herz-Kreislaufsystem, Bein, Rumpf, Rücken und Armmuskulatur.
  • Geeignet für alle Altersgruppen und Niveaus.
  • Breite Auswahl an Loipen in der ganzen Schweiz.

Im Langlaufsport gibt es zwei verschiedene Stilarten – Klassisch und Skating. Für wen eignet sich die klassische Technik?
Es gibt nicht eine Stilart, die einfacher ist. Das hängt vom eigenen Typ und persönlichen Vorlieben ab. Wenn man noch nicht so vertraut mit Schnee ist und das Gleiten auf dem Schnee von anderen Schneesportarten noch nicht gut kennt macht es Sinn, mit klassisch zu starten. Da geht der Schritt nach vorne, wie auch beim Laufen. Die klassische Technik ist einfach zu lernen und jeder kann sofort starten, deshalb lohnt sich das gerade auch für Ältere. Auch beispielsweise nach einem Unfall, wenn man noch nicht stabil ist auf den Beinen, eignet sich das klassische Langlaufen sehr.

Wie sieht es bei der Skating-Technik aus?
Wenn man schon Schlittschuhlaufen oder Inlineskaten kann, dann fällt einem das Skating deutlich leichter. Vom Trainingseffekt her trainiert man beim Skating vermehrt die Beinmuskeln.
Ob klassisch oder Skating ist letztendlich eine Typ-Frage. Das merken wir auch in der Ausbildung. Während für die einen das Skating die natürlichere Bewegung ist, ist es für die anderen die klassische Technik. Das kommt ganz darauf an, was für einen Hintergrund man hat. Am besten probiert man das selbst aus – dann merkt man oft ziemlich schnell, was einem besser liegt und mehr Spass macht.

Hast Du einen persönlichen Favorit?
Ich persönlich laufe am liebsten klassisch. Für mich ist das eine Bewegung, die sehr natürlich ist und mit der ich ohne viel Kraft vorwärtskomme – da habe ich einfach ein grösseres Flow-Erlebnis. Natürlich gehe ich aber auch sehr gerne skaten.

Welche Langlaufgebiete in den verschiedenen Regionen der Schweiz kannst du uns empfehlen?
Es gibt eine wunderschöne Loipe im Engadin zwischen Madulain und Zernez, auf der ich früher sehr viel unterwegs war. Mittlerweile lebe ich nicht mehr im Engadin und habe somit auch andere Regionen der Schweiz kennen und schätzen gelernt. Das Juragebiet, der Gantrisch, die Zentralschweiz mit dem Eigenthal und viele weitere Destinationen bieten tolle Loipen, auf denen man den Langlaufsport so richtig geniessen kann. Für mich sind gerade kleinere Gebiete, die extrem viel Charme haben, genial.

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